Ein Mikrocontroller-Board für den digitalen Unterricht in der Grundschule

„Die vielleicht größtmögliche Umwälzung des deutschen Schulsystems passt in eine Hand. Sie heißt Calliope mini.“, frohlockte Zeit Online am 11. Oktober 2016. Gemeint ist ein frisch entwickelter Minicomputer, den bald alle Schülerinnen und Schüler deutschlandweit ab Klasse 3 in Händen halten sollen.  

Kalliope, Tochter des Zeus und der Mnemosyne, Muse der epischen Dichtung, der Wissenschaft, der Philosophie und des Saitenspiels sowie die Muse des Epos und der Elegie. Wird der Name Zeichen setzen?

Noch steht die Antwort in den Sternen, aber die Frage mag erlaubt sein, warum eine komplett neue Hardware entwickelt werden musste, obwohl es funktionierende Systeme gibt, die Ähnliches, wenn nicht mehr können als der Calliope mini. Auf den Internetseiten der Entwickler und Unterstützer finden sich leider nur wenig überzeugende Antworten bei den FAQs .

Ähnlich mager sind auch die Anleitungen auf den Internetseiten des Projekts, die dem Calliope mini Leben einhauchen sollen. Sie vermitteln zwar einige zur Programmierung nötige Einsichten, beinhalten aber keine Anhaltspunkte, wie dieses Wissen Grundschulkindern vermittelt werden kann.

Auch die Begleitmaterialien für Lehrkräfte erscheinen – wie die Anleitungen – nur bedingt geeignet für die angestrebte Zielgruppe. Beispielsweise dürfte die „Lehrerhandreichung“ der Uni Wuppertal mit ihren theoretischen Abhandlungen über „informatische Bildung“ wohl eher den Interessen von Informatikstudenten als denen von Grundschullehrkräften dienen.

Völlig außer Acht gelassen wird die Frage, wie die Grundschullehrpläne entfrachtet werden können, um Freiräume zu schaffen für die neu zu vermittelnden Inhalte. So bleibt auch ungeklärt, wie der Übergang gelingen kann zu den in der Sekundarstufe sich immer mehr verbreitenden Plattformen wie Arduino, Raspberry Pi und neuerdings dem Bayern-Arduino

Ermutigendes gibt es im Umfeld des Calliope-Projekts. Da finden sich Ideen, die glaubwürdig verkörpern, wie ein Zugang zum Programmieren mit Acht- bis Zehnjährigen gefunden werden kann.  Auf den Internetseiten der Ideengeber werden reich bebilderte Lernszenarien vorgehalten, die trefflich zu Grundschulkindern passen und selbstbestimmtes Lernen ermöglichen: Ausgeklügelte Ideen und reichlich Material regen an zum Tüfteln, Basteln und Programmieren. Die einzelnen Tätigkeiten sind nie reiner Selbstzweck, sondern immer vernetzt mit einer größeren Aufgabe. Solche Lernarrangements sollten Vorbildfunktion bekommen für die inhaltliche Ausgestaltung des digitalen Unterrichts im Elementarbereich.

Hoffen wir,  dass die Lehrkräfte an den Pilotschulen im Saarland und Bremen von beredter Seite auf die vor ihnen liegenden Aufgaben gut  vorbereitet werden und sowohl materiell als auch zeitlich komfortabel ausgestattet werden, damit sie den Unterricht bestmöglich planen und durchführen können.

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