Erste Erfahrungen mit Lehrkräften und dem Calliope mini bei einer Auftaktveranstaltung zum Thema „Tinkern und Coden in der Grundschule“

Zur Einführung ins Thema wird ein kurzes Video mit Prof. Dr. Gesche Joost gezeigt, indem sie in der Digitalwerkstatt von HABA knapp begründet, warum sie sich dafür einsetzt, den Calliope mini in allen Grundschulen einzuführen.

Aus den Aktivitäten der im Hintergrund tätigen Kinder und gezielten Einblendungen lässt sich schließen, dass in der Digitalwerkstatt mit „Minecraft“ gearbeitet wird und auch Robotfahrzeuge von „Makeblock“ zusammengesetzt und programmiert werden. Ein Bezug zum Calliope mini erschließt sich dem Betrachter aus diesem Blickwinkel nicht, was den Eindruck weckt, dass die Digitalwerkstatt nur nützliches Beiwerk ist, um den Calliope mini in Szene zu setzen.

Schlau gemacht, könnte man meinen, denn den Lehrkräften sind solche Details gar nicht aufgefallen, sondern sie haben eher mitgenommen, dass sich zur Konstruktion und Programmierung von Robotfahrzeugen der Calliope mini besonders empfiehlt. Die Sache hat aber einen Haken: Das Board ist gar nicht für den Bau von Robotern konzipiert worden, was sich z. B. an der beschränkten Zahl von Aus- und Eingängen und daran festmachen lässt, dass die Anschlüsse für Motor A und B nur über Lötösen zugänglich sind. Und so ist es auch nicht verwunderlich, dass unter den FAQ auf der Calliope Homepage kolportiert wird, der Umgang mit „diversen Zusatzmaterialien“ werde für den „Schul-Regelbetrieb“ als „unrealistisch“ eingeschätzt. Und deshalb sei „ein bezahlbares Board“ erstellt worden, „das alles für diverse Experimente schon mitbringt“. 

Was in der Grundschule machbar ist und was nicht, sollte – nach Meinung des Vortragenden – an konkreten Erfahrungen festgemacht werden. Deshalb hat er zum Ausdruck gebracht, dass eine Festlegung auf bestimmte Sensoren und Aktoren nur wenig sinnvoll sei. Hinzu komme, dass auf einem Board fest verbaute Komponenten nur schwer anders als in der  für sie vorgesehenen Weise verwendbar seien. Besonders nachteilig erscheine aber der vorgeschlagene Verzicht auf  Zusatzmaterialien (Fahrgestelle, Räder, Motoren, Kabelverbindungen…), die wichtig seien, wenn die Stellvertreter technischer Systeme mit der physischen Welt interagieren bzw. sich in ihr bewegen sollen. Letzteres erscheine unabdingbar, wenn Lernende in die Lage versetzt werden sollen, die Möglichkeiten neuer Technologien gestaltend und aktiv zu nutzen.

Würde beim Programmieren weitgehend auf gestalterisch-konstruktives Tun verzichtet, wie das (unter anderen) die vom Cornelsen-Verlag auf der Calliope-Homepage vorgehaltenen Materialien beispielhaft zeigen, stehe zu befürchten, dass das Interesse der Lernenden rasch erlahmen könne: Wer sich die Mühe mache, den dort aufgezeigten Weg nachzuvollziehen, werde erkennen, dass viele Programmieranlässe und deren Verortung im Grundschullehrplan konstruiert und nur wenig motivierend seien. Beispielhaft dafür stünden Ideen wie den Calliope mini als „automatisches Fahrradrücklicht“ oder den piepsigen Summer als „Minipiano“ verwenden zu wollen. Auch erscheine fraglich, ob in dieser Altersstufe mit Algorithmen wie Verzweigung, Bedingung, Variablen, Zufallszahlen, bedingtes Warten und anderem operiert werden müsse. Unklar sei zudem, warum einige dieser Inhalte als Lehrmaterialien für Lehrkräfte dienen sollen, obwohl sie im Arbeitsheft für die Lernenden nicht auftauchen.

Im weiteren Verlauf der Veranstaltung sollten die Lehrkräfte sich selbst im Programmieren üben, um abschätzen zu können, ob die im Internet verfügbaren Editoren kindgerecht sind. Leider scheiterte dieses Anliegen zu diesem Zeitpunkt an einer zu geringen Geschwindigkeit der Internetverbindung. Das war sehr störend für den weiteren Verlauf der Veranstaltung, besonders da der Umstieg auf auf die vom Aufbau ähnliche und bei Kindern sehr beliebte Programmierumgebung „Scratch“ von den Lehrkräften nicht als gleichwertig erachtet wurde. Sie setzten trotz aller Bedenken und der Abhängigkeit von einem funktionierenden Internetzugang weiterhin  auf den Calliope mini. Bei so viel Prominenz müsse doch ein gängiges Konzept hinter der Idee stecken, wurde gemutmaßt.

Am Ende der Veranstaltung wurden die Lehrkräfte gebeten, ihre Wünsche für die Folgeveranstaltung zu nennen. Es zeigte sich, dass ein leitender Gedanke des Konzepts angekommen war, nämlich das Basteln (Tinkern) neben dem Programmieren (Coden) nicht zu kurz kommen zu lassen.

Der Auftrag an die Veranstalter für das nächste Treffen kann so formuliert werden: Das Programmieren des Calliope mini gemeinsam vertiefen und die Hardware zur Steuerung eines Fahrzeugs einsetzen. Teile des Gefährts dürfen vorgefertigt werden, es muss aber glaubhaft sein, dass sie in der Form von Grundschülern auch konzipiert und gebaut werden können. Den Zusammenbau und die Programmierung wollen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer an der Arbeitstagung selbst vornehmen.

Das erscheint machbar – wenn bei der nächsten Veranstaltung die Internetverbindung mitspielt.